Kreative und schnelle Lösung
Der Zollernalbkreis stand 2001 vor einem Bauproblem, das nach neuen kreativen Realisierungswegen verlangte. Das kreiseigene Klinikum in Albstadt platzte aus allen Nähten, jedoch schlossen die Rahmenbedingungen sowohl eine Neubau- als auch eine Anbaulösung aus. Der projektleitende Architekt Michael Veit vom Friedrichshafener Architekturbüro Jauss+Gaupp: „Übrig blieb im Grunde nur die Ausdehnung ‚nach oben‘, also eine weitere – sechste – Etage. Aber auch hier hat eine Prüfung schnell ergeben, dass weder die vorhandene Gebäudestatik für eine Aufstockung in konventioneller Bauweise geeignet war, noch die räumliche Umgebungssituation großangelegte Bautätigkeiten erlaubt hätten.”
Was tun? Die Lösung lautete: Modulbauweise nach der Methode des Cadolzburger Unternehmens Cadolto Klinik-Fertiggebäude GmbH & Co. KG. 26 werkseitig gefertigte Raummodule in Stahlkonstruktion – jeweils 40 Tonnen schwer, ca. 18 Meter lang und 4 Meter breit – wurden Anfang März 2002 in einer logistisch äußerst aufwändigen Aktion nach Albstadt transportiert und in 30 Meter Höhe auf das bisherige Dach des Klinikums eingehoben. Binnen vier Tagen komplett montiert und optimal auf die abschließenden Ausstattungsarbeiten vorbereitet, konnte das neue 2.050 m2-Stockwerk mit zwei Stationen und 78 Betten bereits im Mai in Betrieb genommen werden.
Ein rasantes Tempo hatte Cadolto allerdings auch schon im Vorfeld der eigentlichen Montage vorgelegt, nachdem die Firma erst im August 2001 beauftragt worden war. Um den Kosten- und Zeitplan einzuhalten, wurde das neue Stockwerk trotz zum Teil komplizierter Sondermaße binnen weniger Wochen in den Cadolzburger Werkshallen regelrecht aus dem Boden gestampft.
Fix und vorgefertigt
Die Einhaltung der engen Terminvorgaben machte der extrem hohe Rationalisierungsgrad der Cadolto-Bauweise möglich. Der europäische Marktführer für Fertig- und Systemgebäude im Klinik-, Labor-, Reinraum- und Telekommunikationsbereich realisiert seine Projekte im minutiös ausgefeilten Taktverfahren. Erfahrene Architekten, Bauingenieure, Handwerker und Facharbeiter erledigen ihre Arbeiten unter optimalen Bedingungen an ein und demselben Ort, nämlich der Cadolzburger Fabrikhalle.Entsprechend beschränkt sich die Vorfertigung nicht nur auf die Rohbauarbeiten, sondern bezieht den gesamten Ausbau mit ein. Normalerweise wird darüber hinaus sogar die Ausstattung vom Wandschrank bis zur speziellen Pflegewanne komplett in Cadolzburg vorgenommen, was den Zeitraum zwischen Gebäudemontage und –inbetriebnahme in der Regel auf wenige Tage beschränkt, dem Bauherren zeitraubenden Koordinierungsaufwand erspart und die Nutzer vor Belästigungen durch fortgesetzte Ausbauarbeiten bewahrt. Da aber beim Projekt Albstadt für diese Bauphase bereits feste Verträge mit anderen Auftragnehmern abgeschlossen worden waren, umfasste die Cadolto-Vorfertigung hier „nur” den Einbau von Sanitärzellen, Wänden, Estrich und Decken sowie der gesamten Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroinstallation.
Hochwertig und flexibel
Was die Bau- und Ausstattungsqualität angeht, stehen modulare Gebäude à la Cadolto vergleichbaren Objekten in Festbauweise in nichts nach. Ärzte, Patienten und Besucher genießen im neuen Obergeschoss nicht nur eine atemberaubende Aussicht auf die Albstädter Landschaft, sondern verfügen auch über ein rundum passendes Arbeits- und Lebensumfeld. Alles ist hell, freundlich und komfortabel angelegt und entspricht bis ins letzte Detail den Anforderungen zeitgemäßer Klinikbauweise. Das gilt auch für den wichtigen Bereich der Bauökologie. Selbstverständlich sind sämtliche verwendeten Baustoffe frei von gesundheitsschädigenden Inhaltsstoffen. Im Übrigen legt die Modulbauweise den Architekt keineswegs auf wenige begrenzte Standardmaße fest. Michael Veit: „Für das Projekt Albstadt hatten wir aus praktischen und optischen Gründen nach vorne überhängende Außenwände vorgesehen. Cadolto hat das bei der Fertigung der Raummodule in Cadolzburg problemlos berücksichtigt, so dass bauseitig nur noch eine grüne Schindelfassade aus vorpatiniertem Kupfer angebracht werden musste.” Die Dachhaut, erstellt als Metallstehfalzdach aus Aluminium, war ebenfalls in kürzester Zeit fertiggestellt. Mit großer Zufriedenheit und Freude übernahmen das Pflegepersonal, die behandelnden Ärtze sowie die Patienten das neue Geschoss am 31. Mai 2002.